Infusionstherapie

Grundsätze

  • Zur Volumentherapie sollten nur gepufferte Vollelektrolytlösungen verwendet werden, da es ansonsten zu Elektrolyt- und pH-Wertverschiebungen im Blut kommen kann.
  • Bei kritischer Hypovolämie können auch kolloidale Infusionslösungen verwendet werden.
  • Bei Patienten mit Elektrolytverschiebungen (Hyperkaliämie oder Hypernatriämie) muss gegebenenfalls dennoch auf andere Infusionslösungen ausgewichen werden.

Typen von Infusionslösungen

Kristalloide

Vollelektrolytlösungen(balancierte Lösungen)

enthalten Elektrolyte (Natrium, Kalium, Calcium , Magnesium)in blutähnlichen Konzentrationen. Sie sollten noch organische Puffer (z.B. Acetatpuffer) enthalten. Vollelektrolytlösungen können dem Organismus in großen Mengen zugeführt werden, ohne das physiologische Gleichgewicht des Blutserums durch Verdünnung zu stark zu stören.

Isotonische Natriumchloridlösung – 0,9% (Kochsalzlösung)

ist kein primäresVolumentherapeutikum!
Einzige Indikation sind Hyponatriämie oder Hyperkaliämie (wenn keine Kaliumhaltige Lösung verwendet werden darf).

Glucoselösungen eignen sich grundsätzlich nicht zur Volumentherapie, da sie in grösseren Mengen schnell zu Elektrolytverschiebungen (ggf. auch zu Blutzuckerentgleisungen) führen können.
Sie breiten sich schnell in den Intrazellularraum (extravasal) aus und können dort zu Ödemen (Lunge, Gehirn, Gewebe…) führen.
Durch ihren sauren pH-Wert von etwa 5,5 ist Glucoselösung auch mit vielen Medikamenten inkompatibel.

Kolloide

Kolloidale Infusionslösungen erhöhen den kolloidosmotischen Druck, wodurch Wasser besser im intravasalen System gehalten wird und für den Blutkreislauf zur Verfügung steht.

Hydroxyethylstärke (HES)

HES-Infusionslösungen gibt es mit unterschiedlichen Konzentrationen und Molekülmassen. Sie müssen wegen ihrer teils nephrotoxischen Wirkung kalkuliert eingesetzt werden.

HES-Infusionen sind derzeit stark in die Kritik geraten.
Siehe: Artikel zum Thema HES-Infusionen

Aminosäuren (Gelatine)

Gelatinelösung kann im Gegensatz zu HEAS-Lösungen in größeren Mengen infundiert werden.

Beachte: Kolloidale Infusionslösungen enthalten meist 0,9 Natriumchlorid, was bei Hypernatriämie beachtet werden muss.

Beurteilung des Volumenstatus

  • Der Zentralvenöser Venendruck (ZVD) kann bei gesundem Herz einen Hinweis auf das intravasale Volumen geben. Der ZVD ist vorallem ein Verlaufsparameter.
  • Die zentralvenöse Sauerstoffsättigung (aus einer zentralvenösen BGA) wird ebenfalls gerne zur Beurteilung des Volumenstatus herangezogen
  • Eine schnelle Herzfrequenz kann ein Hinweis auf Volumenmangel sein (Bedarfstachykardie), ebenso ein zu niedriger Blutdruck.
  • Daneben gibt es noch aufwendige hämodynamische Monitoring-Verfahren. Ebenso kann eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens zur Einschätzung des Blutvolumens herangezogen werden.

Problematisch in der Intensivmedizin ist oft, das das Körperwasser nicht gut im Körper verteilt ist: Ödeme/Stauungen an der einen Stelle und Volumenmangel an anderer Stelle. Das erfordert oft ein äußerst aufmerksames Manövrieren mit Flüssigkeitszufuhr und forcierter Ausscheidung.

Als ’normale‘ Urinausscheidung kann etwa 1ml/kg Körpergewicht/Stunde veranschlagt werden.

Links

BBraun-Infusionslösungen-Kurzinformation

Fachartikel – Infusionstherapie – BBraun