Beatmung

Vorbemerkung
Die folgenden Ausführungen sind auf die Geräte Dräger Evita XL/4 ausgerichtet und richten sich in der Terminologie nach diesen Geräten.

Beatmungsmodi

I Kontrollierte Beatmung

Der Patient wird mit einer fest vorgegebenen Frequenz (Atemzüge pro Minute) beatmet.Für die kontrollierte Beatmung gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten:

  • Die druckkontrollierte Beatmung
    Bei der druckkontrollierten Beatmung erzeugt das Beatmungsgerät einen voreingestellten Überdruck, wodurch die Lunge des Patienten gebläht und belüftet wird.
  • Die volumenkontrollierte Beatmung
    Bei der volumenkontrollierten Beatmung wird die Lunge des Patienten mit einem bestimmten eingestellten Gasvolumen gefüllt. Dazu verwendet das Beatmungsgerät je nach Technologie entweder einen Überdruck oder einen Flow (fließendes Volumen/Zeit).

 

II Assistierte Spontanbeatmung (ASB)

Der Patient wird nicht vom Beatmungsgerät beatmet, das Gerät wartet, bis der Patient spontane Atemzüge macht (triggert) und stellt ihm dann einen Hilfsdruck zur Verfügung, um ihm die Atemarbeit zu erleichtern.

Wichtig ist, dass die Trigger-Sensibilität des Gerätes an die Bedürfnisse des Patienten angepasst wird und die Apneu-Alarmierung mit der zugehörigen Backup-Beatmung aktiviert und sinnvoll eingestellt sind.

III Mischformen aus I und II

In der Praxis werden oft Kombinationen aus kontrollierter Beatmung und assistierter Spontanatmung angewendet. Der Patient wird dabei mit einer bestimmten Grundfrequenz (Atemzüge/Minute) mandatorisch (erzwungen) beatmet. Daneben hat er die Möglichkeit, eigene Atemzüge zu tätigen, die vom Beatmungsgerät mit einem eingestellten Unterstützungsdruck (pASB) unterstützt werden.
Eine derzeit gängige kombinierte Form ist der BIPAP/ASB-Beatmungsmodus.

Beatmungseinstellungen

Die Sauerstoffkonzentration des Atemgases (21%-100%)
Sauerstoffkonzentrationen ab 50% können je nach Konzentration und Beatmungsdauer zu Lungenschädigungen führen.

Die Atemfrequenz in der kontrollierten Beatmungsform
12-15 Atemzüge pro Minute sind bei normaler Beatmung sinnvoll. Viele Situationen erfordern allerdings höhere Beatmungsfrequenzen. Insbesondere bei stark geschädigten Lungen ist es manchmal notwendig, Atemhubvolumina und Beatmungsdrücke niedrig zu halten und dafür das Minutenvolumen über eine Erhöhung der Atemfrequenz zu erhöhen.

Der Inspirationsdruck (pInsp) in der druckkontrollierten Beatmung
8-16 mbar sind moderate Werte, er muss so angepasst werden, dass ein gutes Atemhubvolumen zustande kommt.

Der Unterstützungsdruck(pASB) in der assistierten Spontanatmung Atemuntertützung
6-14 mbar sind moderate Werte, er muss so angepasst werden, dass ein gutes Atemhubvolumen zustande kommt.

Das Atemhubvolumen in der volumenkontrollierten Beatmungsform
ca. 6 ml pro Kilogramm Körpergewicht, die obere Druckgrenze muss so angepasst werden, dass der Spitzendruck keine Lungenschädigung (Barotrauma) verursacht.

Der PEEP (Positive Endexpiratory Pressure) ist ein eingestellter Grunddruck, der nie unterschritten wird. Dadurch bleibt die Lunge immer etwas entfaltet, was die Verklebung der Alveolen (Atelektasen) verhindert. Außerdem wird dadurch insgesamt ein besserer Gasaustausch gewährleistet, da mehr Gewebefläche zum Gasaustausch bereitsteht und der Lungenwiderstand zum Beginn der Einatmungsphase geringer ist.
Vernünftige Werte für unproblematische Patienten sind 5 bis 8 mbar.

Inspirationszeit/I:E-Verhältnis
Das Verhältnis zwischen Einatmungs- und Ausatmungsphase in Sekunden

Messwerte

Tidalvolumen(Atemzugvolumen)
Beurteilt wird das expiratorische Tidalvolumen (VTE), da nur diese Gasmenge tatsächlich in der Lunge des Patienten war.
Wichtig ist hierbei auch ein Vergleich mit dem inspiratorischen Titalvolumen (VTI),da größere Abweichungen auf eine Leckage hindeuten.
Die Leckage kann sich schlimmstenfalls auch im Patienten befinden (Pneumothorax/Trachearuptur).

Beim Lungengesunden Erwachsenen sollte das Titalvolumen etwa 7-8 ml pro Kilogramm Körpergewicht betragen (also ca. 500ml bei 80kg KG).

Atemfrequenz
Die gemessene Atemfrequenz als Summe von mandatorischen und spontanen Atemzügen.
Atemfrequenzen von über 22 pro Minute können als Tachypneu gewertet werden.

Minutenvolumen(Liter/Minute)
Gibt an, wieviel Liter Atemgas im Zeitabschnitt einer Minute durch die Lunge des Patienten hindurchgehen.

Spitzen- und Mitteldruck
Insbesondere der Beatmungs-Spitzendruck sollte gut beobachtet (und die Alarmgrenzen dementsprechend eingestellt) werden, da zu hohe Drücke zu Lungenschäden (Barotrauma) führen können.

Der gemessener PEEP und die gemessene Sauerstoffkonzentration sollten mit den entsprechenden Einstellungen auf Stimmigkeit überprüft werden.

Monitoring-Parameter

  1. Koninuierliche pulsoximetrische Messung der Sauerstoffsättigung
  2. Messung des Kohlendioxyds in der Ausatemluft (Kapnometrie)
  3. Regelmäßige arterielle Blutgasanalyse

Links

http://flexikon.doccheck.com/de/BIPAP-Beatmung
http://www.atmungbeatmung.de

Dräger-Literatur

Beatmungsmodi in der Intensivmedizin – Karin Deden

Das Atmungsbuch Spontanatmung in maschineller Beatmung – Ernst Bahns

Dräger Academie

Grundlagen der Beatmung

Online-Training für alle Dräger-Produkte (auch frühere Versionen)

Online-Training aktuelle Produktpalette